Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Arbeitslos und abgestempelt

 

Es braucht nicht gesagt zu werden, daß eine Kultur, welche eine so große Zahl von Teilnehmern unbefriedigt läßt und zur Auflehnung treibt, weder Aussicht hat, sich dauernd zu erhalten, noch es verdient. ~ Sigmund Freud

 

Ja, ich kann Vermittler/Fallmanager, oder wie auch immer sie sich nennen, des Arbeitsamts/Jobcenters/der Sozialagentur verstehen. Es ist sicherlich schwierig eine passende Stelle für einen Arbeitssuchenden zu finden, besonders wenn man nicht nur einen sondern hunderte davon zu bewältigen hat. Woher soll man wissen wer wo genau hinpasst? Zudem kennt man die Leute und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse ja auch meist wohl nur oberflächlich. Und ja, es ist bestimmt eine undankbare Arbeit. Aber meine Güte, für die Menschen auf der anderen Seite des Bürotisches geht es nicht darum, wo sie ihren nächsten Sommerurlaub verbringen! Sie wollen und müsse sich ihren Lebensunterhalt verdienen und es geht um ihren weiteren Lebensweg!
Und so treibt der Arbeitssuchende unsicher dahin, irgendwo zwischen „Sie müssen doch selbst am Besten wissen, was Sie machen wollen“ und „Man kann sich seine Stelle heutzutage halt nicht mehr aussuchen“. Ja, was stimmt denn nun? Das sind nämlich zwei völlig gegensätzliche Argumente. Stimmt ersteres, so wäre es hilfreich einen „Berater“ zu haben, der sich auf dem Arbeitsmarkt auskennt bzw. einen Überblick hat und sagen kann, welche Stellen für jemanden mit den gegebenen Kenntnissen und Fähigkeiten passend und verfügbar wären. Trifft das zweite Argument zu, so wäre ein „Vermittler“ hilfreich, der die für eine Stelle passenden Kandidaten „herausfiltern“ und an die entsprechenden Arbeitgeber verweisen kann. Irgendwie scheint mir aber weder das eine noch das andere so wirklich der Fall zu sein.
Und was können schon die Vermittler/Fallmanager dafür, wenn der Fachkräftemangel einen als Fachkraft irgendwie trotzdem nicht betrifft und es nun mal nicht genug Stellen gibt? Gibt es die nicht? Und kann man die Arbeitswilligen ohne Job nicht zu den gesuchten Fachkräften weiterbilden oder umschulen?
In dem Moment, indem es nicht genügend Stellen für alle erwerbsfähigen, arbeitswilligen Menschen gibt, wird der Arbeitsmarkt zur Lotterie. Einige werden dann einen Gewinn ziehen während andere, die kein Gewinnerlos ziehen, auf der Strecke bleiben.
Hier hat das Ganze aber nichts mehr mit Leistung und Willen zu tun und die Verlierer dieses Spiels dürfen nicht als asozial und unwillig abgestempelt und gebrandmarkt werden. Ganz im Gegenteil, sie verdienen die besondere Unterstützung derer, die das Glück (und eben nur Glück) hatten, ein Gewinnerlos zu ziehen.
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Ein Gedanke zu „Arbeitslos und abgestempelt

  1. Einige werden dann einen Gewinn ziehen während andere mit ihrem Arbeitslos auf der Strecke bleiben.

    Fordern und Fördern lautet der Leitsatz der ARGE. Nur zu häufig wird dabei vergessen, dass nicht nur der Arbeitssuchende gefordert werden soll und aktiv den Prozess fördern muss. Nein auch die ARGE darf gefordert werden, endlich Stellen auf den Tisch zu legen und muss den Arbeitslosen fördern: mit sinnvollen Weiterbildungsmaßnahmen (und keinen Abschiebemaßnahmen) und mit Unterstützung bei Problemen.

    Leider sieht die traurige Realität anders aus, und den meisten Arbeitssuchenden bleibt die ARGE-Seite von Fordern und Fördern verwehrt. Der krudeste Fall bisher: ein Arbeitssuchender sollte von der ARGE in einen Kurs für gute Bewerbungsschreiben gesteckt werden. Er war selber vorher 9 Monate bei der ARGE beschäftigt und hat „Kunden“ beraten, unter anderem, wie sie ihre Bewerbungen schreiben sollen. m(

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