Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Wie man mit Terror Angst macht

Als ich neulich meinen Beitrag zur Terrorwarnung des Innenministers schrieb, las ich kurz darauf Heribert Prantls Kommentar zum Thema auf Sueddeutsche.de. Ich war mir sicher, dass er die Sache so kritisch betrachten würde, wie er es in seinem Buch über Terrorismus und Politik tut. Gerade noch hatte ich ja in meinem Beitrag aus seinem so gut argumentierten Buch zitiert. Doch nun las ich in besagtem Kommentar auf Sueddeutsche, dass Prantl De Maizières Mahnung für richtig hielt. So schnell lässt sich der Prantl einlullen, dachte ich bei Aussagen wie dieser:

Stark ist ein Innenminister, wenn er seinen Bürgern alle Wachsamkeit verspricht und dieses Versprechen einhält. Zur Wachsamkeit kann es gehören, die Rollläden am Bahnhof oder am Flughafen herunterzulassen, um effektive Personenkontrollen zu ermöglichen. Zur Wachsamkeit gehört es aber nicht, schnell ein Gesetz, ein neues „Sicherheitspaket“ zu produzieren, wie dies schon so oft – in Rollladengeschwindigkeit – gemacht worden ist. Ein starker Minister kann den Bürgern die Wahrheit sagen: Dass er, bei aller Wachsamkeit, Risiken nicht ausschalten und den Terrorismus nicht ersticken kann.

Ich war enttäuscht. Wurde doch in der Tat auch gleich wieder schnell ein neues „Sicherheitspaket“ von allen Seiten gefordert. Und ich konnte beim besten Willen keinen Satz in Richtung „Ein Risiko bleibt immer und wir wollen keine Sicherheit auf Kosten der Freiheit“ in De Maizières Ansprache finden. Für mich klang es eher nach „Sicherheit um jeden Preis“, nach einer Rechtfertigung für kommende, restriktive Überwachungsmaßnahmen. Die Leserkommentare zu Prantls Artikel waren dann größtenteils auch skeptischer als Prantl selbst. Teils lesenswerter als der Artikel selbst. Interessanterweise gibt es heute einen neuen Kommentar von ihm auf Sueddeutsche.de, in dem er die aktuelle  Situation um einiges kritischer betrachtet:

Politik sollte nicht den Zweifel am Rechtsstaat schüren, sondern das Vertrauen in ihn stärken – und den Stolz auf die Werte, die sich in ihm manifestieren. Dem Terrorismus standzuhalten verlangt: an den Grundsätzen des Rechtsstaats festzuhalten. Ein starker Staat ist nämlich nicht der, der sich in die Hose macht.

Der starke Staat ist der Staat, der seine Regeln verteidigt und nach ihnen handelt – nicht aber der, der sie schon bei der ersten Terrorwarnung in Frage stellt.

Wie also soll man das nun verstehen? Beziehen sich die beiden Kommentare auf unterschiedliche Reaktionen des Ministers? Einmal die Terrorwarnung auf Grund der ominösen Informationen ungenannter Partner und einmal Die Reaktion auf die Bombe die dann doch nur ein harmloser Koffer war? Hat der Innenminister, Prantl zufolge, zuerst richtig gehandelt und danach aber doch falsch? Oder hat Heribert Prantl seine Meinung geändert? Ich weiß es nicht.

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2 Gedanken zu „Wie man mit Terror Angst macht

  1. Viele dieser sog. ‚Journalisten‘ von heute haben einfach keinen Arsch mehr in der Hose. So sah ich das auch heute im ZDF bei diesem Elmar Thevessen. Butterweich, damit sie ja ja keine Interview-‚Partner‘ verlieren. Die Zeitung muss ja Geld verdienen, da kann der Leser ruhig für dumm verkauft werden.

    Bei dieser Art von Warnungen kann ich nur ‚warnen‘, irgendeine Sauerei ist wieder im Gange. Wäre ja nicht das erste Mal. Schade, dass sich die Bevölkerung nicht einfach mal revanchiert und Weihnachten mitsamt dem Konsum einfach ausfallen lässt.

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