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Lesen gefährdet die Dummheit

Zahlen, nichts als Zahlen – Der Mensch hinter den Zahlen zählt nichts

Und wieder schlägt das ‘gewaltige’ Wort “alternativlos” unbarmherzig zu, die Statistiker hängen hechelnd an ihren Computern, um ja günstige Statistikzahlen für die Ministerin zu basteln. Die Jubelorgien müssen ja weitergehen.

17.11.2010, 16:52

Streit über Ruhestand

Rente mit 67 im Faktencheck

Für Arbeitsministerin von der Leyen ist die Verlängerung der Lebensarbeitszeit alternativlos. Sie begründet das mit der gestiegenen Beschäftigungsquote Älterer. Doch es gibt vom Arbeitsmarkt nicht nur positive Daten.

Für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist der Fall klar: Der Fachkräftemangel verbiete es, auf das Wissen der Älteren zu verzichten und die schrittweise Anhebung des Renteneinstiegsalters bis 2029 zurückzunehmen, sagte die Ministerin. Deshalb sei die Rente mit 67 „notwendig und auch vertretbar“.

Zuvor hatte das Bundeskabinett den Bericht von der Leyens über die Beschäftigungssituation Älterer gebilligt. Laut dem Report mit dem Titel „Aufbruch in die altersgerechte Arbeitswelt“ hat sich die Beschäftigungsquote der Älteren deutlich erhöht. Sie seien so fit wie nie zuvor und bekämen im Schnitt 18 Jahre Rente, sagte von der Leyen. Wenn die Menschen immer länger Rente bezögen, „kann man auch ein bisschen länger arbeiten.“

Wie ist die Beschäftigungslage älterer Arbeitnehmer?

Arbeitsministerin von der Leyen will die Rente demografiefest machen Arbeitsministerin von der Leyen will die Rente demografiefest machen

„Die Gewinner am Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren sind die älteren Arbeitnehmer gewesen“, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Für sie sind die Voraussetzungen für die Rente mit 67 gegeben. Auch Arbeitsmarktforscher und Ökonomen erwarten einen Jobboom bei den über 60-Jährigen.

2009 waren von den 60- bis 64-Jährigen laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes 41,5 Prozent erwerbstätig – doppelt so viele wie noch 2000. Die Zahl der älteren Erwerbstätigen über 55 Jahre sei binnen fünf Jahren um über eine Million gestiegen. Zu den Erwerbstätigen gehören alle, die einer Beschäftigung nachgehen: sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige – aber auch Mini-Jobber bis 400 Euro, Bezieher von Hartz IV mit Ein-Euro-Job, mithelfende Familienangehörige.

Wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt für Ältere aus?

Mehr zu: Arbeitsmarkt, Rente mit 67

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) legt monatlich eine „Analyse des Arbeitsmarktes für Ältere ab 50 Jahren“ vor. Diese zeigt für Oktober: Während die Arbeitslosigkeit insgesamt gesunken ist, lag sie in dieser Altersgruppe mit 880.000 noch um 5000 über dem Wert vor einem Jahr. Der Anstieg geht laut BA allein auf die 55- bis 64-Jährigen zurück: Ihre Arbeitslosigkeit nahm im Jahresvergleich um 29.000 oder sechs Prozent zu.

Von der Leyens Bericht zeichnet ein freundlicheres Bild, weil dort längere Zeiträume betrachtet werden. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich die Arbeitslosigkeit von 2008 bis 2009 insgesamt um fünf Prozent erhöht. Bei den über 55-Jährigen habe der Anstieg sogar 16 Prozent betragen. „Dennoch lag sie damit aber noch unter dem absoluten Wert für das Jahr 2005“, heißt es.

Im ersten Halbjahr 2010 sei die Zahl zwar gesunken, aber nicht so deutlich wie der Gesamtdurchschnitt. „Deshalb ist der Anteil der Arbeitslosen, die älter als 55 Jahre sind, an allen Arbeitslosen etwas angestiegen“, heißt es. Die Regierung macht dafür auch statistische Effekte verantwortlich: Mit dem Auslaufen von Vorruhestandsregelungen Ende 2007 werden 58-Jährige und Ältere wieder als Arbeitslose gezählt.

Gehen die älteren einer normalen Beschäftigung nach?

An die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat die SPD den Einstieg in die Rente mit 67 gekoppelt. Im Jahr 2009 war fast jeder Vierte aller 60- bis 64-Jährigen ein Arbeitnehmer in diesem Sinne (23,8 Prozent). Dabei sind auch Arbeitnehmer in Altersteilzeit mitgezählt. Die Quote sinkt mit zunehmendem Alter: 2008 war nur jeder zehnte 64-Jährige sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ohne Altersteilzeit jeder Vierzehnte (7,1 Prozent). Nach Auffassung von Opposition und Gewerkschaften ist das viel zu wenig, um mit der Anhebung des Rentenalters zu beginnen.

Wie verschiebt sich das Verhältnis von Älteren und Jüngeren?

Bis 2030 gehen viele Erwerbstätige der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Die Zahl der 20- bis 64-Jährigen wird laut Berechungen des Statistischen Bundesamtes bis dahin um 6,3 Millionen sinken, die Zahl der 65-Jährigen und Älteren dagegen um 5,5 Millionen steigen.

Vor 50 Jahren kamen auf einen Menschen über 65 Jahre noch fünf Personen zwischen 20 und 64 Jahren. 2009 waren es nur noch drei Jüngere auf einen Älteren – und im Jahr 2030 kommen nach den Statistikberechnungen noch zwei Jüngere auf einen Älteren.

Wie hoch ist momentan das Renteneintrittsalter?

Zwischen dem gesetzlichen Rentenalter und dem tatsächlichen Beginn des Ruhestands liegen ein paar Jahre. Laut Rentenversicherung gehen männliche Versicherte derzeit im Schnitt mit 63,5 Jahren in Altersrente, Frauen mit 62,9 Jahren. Seit Ende der 90er-Jahre steigt das Renteneintrittsalter an.

Vom Jahr 2012 an wird das gesetzliche Rentenalter schrittweise angehoben. Im Jahr 2029 soll die neue Altersgrenze von 67 Jahren gelten. Wer den Ruhestand früher genießen will, muss Abschläge in Kauf nehmen.

  • FTD.de, 16:11
    © 2010 Financial Times Deutschland

Zum Schluß noch das Video der Pressekonferenz mit der Bundesministerin.

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