Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Surfen in neuer ‘Qualität’

Noch 100 Tage, dann ist die ‘Glückseligkeit’ der Anonymität im Internet erst mal dahin. Wir ALLE werden mal wieder NEU lernen müssen.

18.11.2010
Internet-Überwachung

Neues Internet-Protokoll erschwert anonymes Surfen

Von Konrad Lischka

IP-Adressen: IPv6 könnte jedem Endgerät eine eindeutige Kennung verpassen

IP-Adressen: IPv6 könnte jedem Endgerät eine eindeutige Kennung verpassen

Für jedes internetfähige Gerät eine statische, eindeutige Kennung – das neue Internet-Protokoll macht das möglich. IPv6 könnte so das Ende des anonymen Surfens bedeuten, fürchten einige Kritiker. Wie schlimm es wird, hängt von Providern, Programmierern und Kunden ab.

Nun kommen sie wirklich, die neuen Adressen für alle übers Internet-Protokoll vernetzten Geräte. Die Deutsche Telekom will zum Beispiel bis Ende 2011 alle DSL-Anschlüsse auf Doppelbetrieb des aktuellen (IPv4) und des neuen (IPv6) Protokolls umstellen. Was das bringt? Immer mehr Geräte verschicken über das Internet-Protokoll Daten (Smartphones, Tablets, ein paar Autos). Adressiert werden die Daten immer mit einer IP-Adresse – die muss zu diesem Zeitpunkt einmalig sein, damit die Daten ankommen.

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Alle, die sich bisher anonym im Internet glaubten, sei dieser Beitrag wärmstens ans Herz gelegt, denn die wirklichen Veränderungen sind schon gravierend. Wer sich mit der dahinterstehenden Technik nicht auskennt, dem sei geraten, sich mit einem entsprechenden Techniker in Verbindung zu setzen.

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9 Gedanken zu „Surfen in neuer ‘Qualität’

  1. G. Danken sagte am :

    Na so ein Zufall. Und ich wette, alle die dann noch durch dynamische IP Adressen und konfigurierte Endgeräte anonym zu bleiben versuchen gelten als Terroristen, Gefährder, Kriminelle, Raubmordkopierer und so weiter.

    • *Grüpel*…*Kopfkratz*….Ich schätze, jetzt muss die Justiz und Polizei erheblich aufrüsten, wo der Staat doch nur noch Geld für Ackermann und Konsorten hat. Ein ‚grauenhaftes‘ Dilemma, bei der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse. Jetzt wird wahrscheinlich das Internet aus dem Hartz IV-Regelsatz wieder gestrichen.

  2. Hallo AlterKnacker,

    man sollte nicht alles glauben, was Konrad Lischka so pauschal verbal versprüht. Technisch gesehen, ist IPv6 unausweislich, will man der Flut an benötigten Adressräumen gerecht werden. IPv4 ist schlicht ausgereizt und die dynamische Adressvergabe (DHCP) war sinnvoll und notwendig zugleich. Der Gedanke an gewollte Anoymität war zu dieser Zeit noch gar nicht geboren, sondern manifestierte sich in den Köpfen der Halbwissenden. Serverseitig sind dynamische IP- Adressen mit Datum, MAC- Adresse und weiteren Angaben verknüpft und können daher die Identität des Anschlusses bzw. des Anschlussinhabers verraten. Datenschutzrechtlich ist das anlasslose Aufbewahren dieser Daten derzeit ausgesetzt worden: Vorratsdatenspeicherung. Anoymität im Internet ist ein Hirngespinst. Man kann maximal seine Identität so gut es geht verbergen, aber sich nicht komplett unsichtbar machen. Die technische Möglichkeit der umfassenden Identifizierung besteht, sie wird nur juristisch beschnitten. Was spricht dagegen, dass nach flächendeckender Einführung von IPv6 nicht weiterhin DHCP verwendet wird? Was spricht dagegen weiterhin Datenschutz bestmöglich umzusetzen? Dagegen sprechen die Interessen von Lobbyisten und CDU/CSU- Politikern, wo es sicher eine Schnittmenge gibt. In 100 Tagen wird sich jedoch nicht grundlegend etwas ändern, zuviel Hardware ist noch im Umlauf, die nicht IPv6 unterstützt. Ich denke dabei nur an unendlich viele DSL- Router, die noch nicht einmal eine Implementierung vorgesehen haben. Es geht auch anders, ohne die sinnfreien Forderungen nach mehr Überwachung aus den Hälsen von Uhl, Wiefelspütz, De Maiziere & Co.: http://www.guedesweiler.wordpress.com (Warum Vorratsdatenspeicherung überflüssig ist?)

    • Ich bin mir der Situation schon bewusst, denke aber, dass besonders unsere Politfuzzys jetzt ganz besonders ‚klebrige‘ Finger bekommen, wenn man ihnen erst mal klar gemacht hat, welch ein Potenzial da drin steckt für den Staatsschutz und die Justiz im Hinblick auf Zensur.

  3. Ich glaube hier wird mehr schrecken versprüht als wirklich notwendig ist. Ich selbst bin Mitarbeiter bei Secureswiss (einen Anbieter für Anonymes Surfen) und die IPv4 Adressen werden uns noch sehr lange begleiten. Schon allein aus dem Grund, dass nicht von jetzt auf gleich alle Betriebssystem IPv6 tauglich und vorallem umgestellt sind. Vielleicht werden die grossen Provider von jetzt an IPv6 verteilen – aber wenn man sich über ein VPN verbindet, nützt die schönste und festeste IPv6 nichts.
    Es wird wohl nur die treffen, welche absolut Blauäugig im Internet unterwegs sind…

  4. Patrick H. sagte am :

    Ja, IPv6 bringt einige nicht ganz unheikle Details mit. Faktisch und richtig eingesetzt ist jedoch IPv6 auch nicht anders als IPv4. Was bei IPv4 eine eindeutige IP-Adresse am Anschluss ist, ist bei IPv6 eben ein entsprechendes Prefix. Mittels Privacy-Extensions lassen sich aus einem (Heim-)Netz ausgehende Verbindungen genauso verschleihern, wie das derzeit mit NAT möglich ist, ohne dessen große Probleme mit in Kauf zu nehmen.

    Um eine einigermaßen ordentliche Anonymität erreichen zu können, wären dynamische Prefixe, wie bisher dynamische Adressen notwendig und hier sollten wir als Nutzer auf entsprechende Angebote der Provider bestehen.

    Mit IPv6 wird es dabei im Gegensatz zu IPv4 dann auch noch möglich, IP-Adressen ohne Verbindungsunterbrechung im laufenden Betrieb zu wechseln, sowie mehrere Adressen gleichzeitig zu verwenden. Zugegeben, es existieren noch keine „best practices“, jedoch ist richtig umgesetzt IPv6 sogar die komfortablere und nicht weniger sichere Variante.

    Um gegenüber den Überwachungsfantasien einiger Sicherheitspolitiker bestehen zu können, sollten wir ganz klar die Privacy Extensions, sowie dynamische Adressbereichszuweisungen als „Sicherheitsfeatures“ verkaufen, durch die es beispielsweise einem Trojaner beinahe unmöglich wird, ein potentielles Opfer dauerhaft hinter einer bestimmten Adresse zu erreichen…

  5. Unter normalen Umständen ist das schon richtig, aber wenn man z.B. Jondonym oder Tor nutzt oder gar einen VPN-Provider bekommt der „Schnuffler“ nur die Adresse der verbunden Server nicht die deines Providers.

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