Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Gastbeitrag von Teardrop – Krankenversicherung 2 – Teil 1

Da der Text an sich sehr lang geworden ist, habe ich ihn a priori in zwei Teile aufgespalten, die zeitgleich von mir veröffentlicht werden.
Hier findet Ihr den zweiten Teil dieses aktuellen Textes: Teil 2!
Den vorausgegangenen ersten Teil zur Krankenversicherung findet Ihr hier, falls Ihr ihn noch nicht gelesen habt!

Und wieder das Thema Krankenversicherung. Ich muss meine Themen auch einfach mal abschließen. Im Moment ist das ja wieder extrem in den Medien präsent und mir ist es eben auch wichtig, vor allem, nachdem da halbgare Reformvorhaben verabschiedet wurden, die im Prinzip nur die Ausgaben in den Bereichen kürzen, die für die Patientenversorgung wichtig sind (Krankenhäuser und Personalkosten) und gleichzeitig die Gebühren für die Versicherten weiter erhöhen. Wie das funktioniert ist einfach: Die Beiträge der Arbeitgeber werden festgeschrieben und können nicht weiter steigen, die Beiträge für die Versicherten sind beliebig steigerbar. Und die Kassen dürfen einen Festpreis im Sinne einer Kopfpauschale erheben, die ebenfalls frei festgelegt werden kann. Dabei entstehen zwei Probleme: Entweder die Kassen versuchen, diese Pauschale nicht zu erheben (schließlich könnten Mitglieder weglaufen), dies könnte am Ende tatsächlich dazu führen, dass sie dem Sparzwang nachgeben und weniger Geld ausgeben. In Wirklichkeit wird es zu Defiziten führen, die dann über Strukturausgleiche von den Kassen getragen werden, die den Beitrag doch erhoben hatten, oder aber der Staat muss am Ende wieder mit Steuergeldern einspringen. Dann darf er aber nicht darüber meckern, denn das scheint ja gewollt zu sein.
Die zweite, viel wahrscheinlichere, Variante ist, dass alle Kassen zugleich den Beitrag erheben, und zwar in gleicher Höhe. Dann ändert sich einfach nichts, außer, das eben von den Einzahlern mehr Geld verlangt wird. Wenn man sich das genau anschaut, ist das aber keine Reform, sondern einfach nur eine Gebührenerhöhung. Das einzig Neue daran ist die Abschaffung des Solidaritätsprinzips.

Das Geschwätz über Restriktionen gegenüber den Pharmaunternehmen ist natürlich Scheiße das Papier nicht wert, auf dem es aufgeschrieben wurde. Ich meine, wenn die Pharmaunternehmen darauf bestehen, dass nicht die am Gesundheitswesen beteiligten (Krankenkassen, Ärzte, Patientenvertreter und Pflegekräfte) sich um die Rabatte und Preisprüfungen kümmern, sonder dass sich doch bitte ausschließlich die Politik darum kümmern soll, dann weiß man doch Bescheid. Die Atomlobby hat es vorgemacht, wie man einen Minister am Nasenring über den Marktplatz führt. Es ist einfach so viel leichter, Leute zu verarschen, die keine Ahnung von der Materie haben (jeder Gesundheitspolitiker in Deutschland), als das mit Menschen zu versuchen, die wissen, worum es geht (jede Pflegerin/Pfleger und jeder Arzt/Ärztin). Aber den Politikern kann man das sogar nachts auf die Stirn tätowieren, die raffen das morgens im Spiegel immer noch nicht.

Nun gut, genug des Schimpfens.
Ich wollte konstruktive Vorschläge machen. Zuerst die Grundlagen, grob zusammengefasst:
Wir haben in Deutschland bisher ein System mit einer großen Gesetzlichen Krankenkasse (GKV), in die alle Leute fallen, die nicht privat versichert sind. Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner als reine Empfänger (wobei die meisten Rentner und Arbeitslosen ja durchaus mal eingezahlt haben, darum geht es gar nicht!) und die Angestellten unter einer gewissen Gehaltsgrenze, die Einzahler sind.

Das ganze funktioniert nach dem Prinzip: „Von der Hand in den Mund:“

Keine Rücklagen. Was reinkommt, muss auch wieder raus. Krankenkassen dürfen keinen Gewinn machen (über die Boni für die Manager schrieb ich schon), und wenn Verluste entstehen, werden die mit Steuergeldern ausgeglichen. Gewinne werden ebenso abgeschöpft. Je nach Beitragsentwicklung wird dann im nächsten Jahr der Beitrag angepasst (erhöht).
Nun hat das lange Jahre lang gut funktioniert. Die Wirtschaft wuchs, immer mehr brauchten (und hatten) Arbeit, die Zahl der Beitragszahler im Verhältnis zur Zahl der Benefizienten war stabil.

Das Prinzip der Krankenkassen!

So ist das Grundprinzip des deutschen Gesundheitswesens. Die einzelnen Gruppen sind in Ihrer Größe nicht maßgerecht dargestellt, dies dient nur der Veranschaulichung! ^^

In den letzten Jahren allerdings hat sich da einiges geändert: Über Kleinstjobs, Wirtschaftskrise und Überalterung der Bevölkerung sowie viele Maßnahmen zur Steigerung der Effizient in der Produktion sind viele Arbeitsstellen weggebrochen. Dadurch sank (und sinkt) die Zahl der Beitragseinzahler. Hinzu kommt, dass durch geänderte Anforderungen für die Privatversicherung (leichterer Austritt aus der GKV) mehr Leute, mit sogar noch geringerem Einkommen als früher, in die PKV gewechselt sind, weil es dort tatsächlich billiger ist.

Das Prinzip heute.

Dasselbe Prinzip, und immer noch sind ca. 72 Millionen Deutsche gesetzlich versichert. Aber eben nur eine kleinere Fraktion zahlt tatsächlich ein…

Wir leisten uns also in Deutschland ein System, in dem die Krankenversicherung für die Allgemeinheit (die GKV) von einer immer kleiner werdenden Gruppe von Einzahlern getragen wird, denen immer höhere Beiträge zugemutet werden, während, abgesehen von Selbstständigen mit geringem Einkommen, alle „Reichen“, die sich über die Einkommensgrenze für einen Austritt aus der GKV qualifizieren, nicht mehr in der GKV versichert sind, sondern sich privat versichern. Weil es billiger ist.

Es gibt Studien die einen Zusammenhang zwischen finanziellem Wohlstand und Gesundheit belegen (zumindest bei Jugendlichen). Zusätzlich ist wohl unbestritten, dass alte Menschen eher krank sind. Nun sind aber, wie gerade beschrieben, die Wohlhabenden eben nicht im öffentlichen Topf, dafür aber all jene, die nach Studienlage auch am ehesten einen Bedarf haben für Aufwendungen im Gesundheitsbereich. Und das alles müssen die paar armen angestellten Hanseln tragen, die gerade noch nicht genug verdienen, um in die PKV wechseln zu können. Alle anderen zahlen im Prinzip nichts ein (oder nur wenig)und profitieren voll.

Aside:
Natürlich profitieren sie voll. Sonst hätte ein solidarisches Krankenversicherungssytem keinen Sinn. Darum geht es nicht!
Aside Ende.

Am Ende lässt dies für mich nur einen Schluss zu: Wir können uns in Deutschland das duale System nicht mehr leisten, da die Belastung für die Einzahler in die GKV zu groß werden wird. Am Ende ist es ja immer piepegal, da durch Steuermittel ausgeglichen wird, aber gut ist diese Lösung auf Dauer nicht. Wie also kann man das Strukturproblem beheben? Genau:

Durch eine grundlegende strukturelle Reform!

Hier gehts weiter zu Teil 2!

Quelle

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: