Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Aus fremdem Blog frisch auf den Tisch

Kernkraft ist billig …

von realasmodis @ 2010-11-06 – 18:23:07

Kernkraft ist billig … oder etwa nicht? Sie ist nur dann billig, wenn man die reinen Produktionskosten für Strom betrachtet und alle anderen Kosten außen vor lässt. Indem man Folge- und Nebenkosten schlichtweg ignoriert. Die taz hat darüber heute einen interessanten Bericht gebracht. Sie beruft sich dabei auf eine bislang unveröffentlichte – da politisch unerwünschte und seitens der Atomwirtschaft zu unangenehmen Ergebnissen führende Studie – die es jetzt (nach Jahren!) doch noch geschafft hat, den Weg ins Internet und damit zur Allgemeinheit zu finden.

Auch Greenpeace hat im Update seiner Atomsubventionsstudie festgestellt, dass die Atomlobby ihre Folge- und Nebenkosten auf die Allgemeinheit abwälzt. Sollte hierzulande so etwas passieren, wie 1979 in Harrisburg oder wie 1986 in Tschernobyl, dann wäre (von den Toten und den armen Teufeln, die die Verstrahlung überleben einmal ganz abgesehen) Deutschland de facto bankrott – weil die Atomlobby nicht für eine hinreichende Versicherung sorgt. Würde sie das tun, dann kostete jede Kilowattstunde 2,70 Euro (nein, KEIN Tippfehler!).

Kernkraft ist wohl nur deswegen so billig, weil man einen ganz beträchtlichen Teil der tatsächlichen Kosten – so um die 90% – bewusst verschweigt und so tut, als existierten die gar nicht. Warum soll man sich auch mit so etwas belasten? Unfälle wie in Harrisburg und Tschernobyl, aufgetreten im Abstand von sieben Jahren, kommen statistisch gesehen nur alle 30.000 Jahre mal vor. Es lebe die Statistik! Oder: Wenn Theorie und Praxis sich mächtig beißen …

Passt gerade hier rein. 1977, während meiner Chemieausbildung (ich werde das nie vergessen!): In Physik sollte ich eine Facharbeit in Form eines umfangreichen Referates inklusive Präsentation zum Thema Kernenergie erarbeiten, Dauer eine Schulstunde lang. Machte ich. Machte Spaß.

Ich setzte mich sehr detailliert mit den Konstruktionsprinzipien von Atomkraftwerken auseinander, angefangen beim simplen Siedewasserreaktor bis hin zum komplexeren schnellen Brüter. Stellte Vor- und Nachteile gegenüber, wies auf das ungelöste Entsorgungsproblem hin. Da waren drei Faktoren, mit denen ich Neuland betrat. Beim Siedewasserreaktor wies ich auf die Gefahr einer Metall-Wasser-Knallgasreaktion für den Fall eines absinkenden Wasserspiegels hin und darauf, dass in einem solchen Fall ein Einfahren der Steuerstäbe unmöglich werden würde. Ein GAU wäre die unvermeidliche Folge. Daran hatte bisher noch keiner gedacht. Die Tschernobyl-Katastrophe sollte knapp zehn Jahre später beweisen, dass ich Recht hatte. Im Referat nahm ich sie vorweg.

Dann waren da meine Erfahrungen aus der Steinbearbeitung. Dreht man Steine in einer Schleiftrommel, dann kommt’s zu Abrieb und die Form der Steine verändert sich. Beim schnellen Brüter traten Kugeln als Atombrennstoff an die Stelle der Steine. Ich wies nach, dass diese Kugelpackung aufgrund des Abriebproblems ihre Form verändern und damit vorzeitig unbrauchbar werden würde. Genau das führte dann ja auch dazu, dass der schnelle Brüter in Kalkar zur teuersten Atomruine Europas wurde.

Und schließlich stellte ich mir vor, dass die Gitter normaler Metalle durch den Dauerbeschuss mit hochenergetischer Strahlung Fehlstellen und folglich Versprödungen ausbilden würden. Genau das reduzierte die projektierte Laufzeit der Atomreaktoren tatsächlich. Alles in allem war es ein eher möglichst neutral verfasstes Referat, das aber keine Probleme verschwieg, sondern vielmehr zur Diskussion stellte. Das war meinerseits auch beabsichtigt worden. Ich arbeitete das Ganze sehr sorgfältig aus und reichte das Manuskript ein. Es wurde mir zurück gegeben. Darunter stand „1+“. Nur – präsentieren durfte ich es nicht. Das war politisch unerwünscht.

Quelle: http://realasmodis.blog.de/2010/11/06/kernkraft-billig-9926286/

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

Ein Gedanke zu „Aus fremdem Blog frisch auf den Tisch

  1. Danke sehr an den Autor.

    Gruss Nelly

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: