Freies in Wort und Schrift

Lesen gefährdet die Dummheit

Keine Rechte – nirgendwo

...und Dich schockiert nichts mehr?

http://www.antikrieg.com/aktuell/2010_09_13_amerika.htm

Amerika – die Ausnahme

Glenn Greenwald

Sogar für diejenigen, die glauben, schon abgehärtet zu sein gegen die Absurditäten imperialer Ironie, ist das fast kaum zu verdauen:

New York Times, Mittwoch:

Ein Berufungsgericht urteilte am Mittwoch, dass ehemalige Gefangene der CIA keine Anklagen wegen ihrer angeblichen Folter in Gefängnissen in Übersee erheben können, da ein derartiges Verfahren geheime Informationen der Regierung offenlegen könnte …

„Bis zum heutigen Tag hatte kein einziges Opfer des Folterprogramms der Bush-Administration einen Termin bei Gericht,“ sagte Ben Wizner von der ACLU (Amerikanische Union für Bürgerliche Rechte). … „Wenn diese Entscheidung aufrecht bleibt, werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Gerichte vor den Folteropfern verschließen, während sie den Folterern völlige Immunität verschaffen.“

Yahoo! News, gestern:

Irak muss $ 400 Millionen für Misshandlung von Amerikanern durch Saddam bezahlen

Irak hat insgeheim zugestimmt, $ 400 Millionen Entschädigung an amerikanische Bürger zu bezahlen, die sagen, sie seien durch Saddam Husseins Regime nach dessen Einmarsch 1990 in Kuwait gefoltert oder traumatisiert worden.

Diese umstrittene Regelung beendet jahrelange Rechtsstreitigkeiten und könnte dem Irak helfen, die Sanktionen der Vereinten Nationen loszuwerden, die vor zwei Jahrzehnten verhängt worden waren – ein Schritt, den die irakischen Führer als Voraussetzung dafür sehen, die völlige Souveränität zu erlangen. … Die Beilegung der Ansprüche, die von amerikanischen Bürgern erhoben worden sind, wurde von Washington als Grundbedingung dafür betrachtet, einem Ende der UNO-Sanktionen zuzustimmen.

Ungeachtet des potentiellen Reichtums des Irak an Erdöl hat das Land große wirtschaftliche Probleme, darunter eine weit verbreitete Armut, 30 % Arbeitslosigkeit, und eine Kindersterblichkeit, die unter den höchsten in der Region liegt.

Die Regelung ist umstritten nicht nur aufgrund der drückenden Notlage des Irak, sondern auch weil sie der derzeitigen Regierung die Verantwortung für Saddam Husseins Handlungen aufbürdet.

„Viel Blut ist seitdem geflossen, und ein großer Teil davon ist irakisches Blut. Man kann sagen, dass dieses Leiden nicht von der derzeitigen irakischen Regierung oder vom irakischen Volk verursacht worden ist,“ sagt ein höherer irakischer Funktionär. „Hier geht es um Politik, nicht um Gerechtigkeit.“

Noch einmal, zusammenfassend: die Vereinigten Staaten von Amerika errichten ein weltweites Regime von Folter, Entführungen und ungesetzlichem Freiheitsentzug. Dann arbeiten die Bush-Administration, die Obama-Administration und die amerikanischen Bundesgerichte zusammen, um die Schuldigen von jeglicher Verantwortung abzuschirmen („Nach vorne schauen, nicht zurück!“), und, noch schlimmer, sicher zu stellen, dass kein einziges Opfer Zugang zu amerikanischen Gerichten erhält, um zu einem Urteil zu kommen, das feststellt, ob das, was ihm widerfahren ist, den Gesetzen entspricht, geschweige denn eine Entschädigung für die erlittenen Leiden zu erreichen, sogar obwohl anerkannt wird, dass viele der Opfer völlig unschuldig waren und obwohl andere Länder die Opfer für den viel kleineren Anteil entschädigt haben, der ihrer Rolle in den Geschehnissen entspricht. Unsere Gerichte stellen sogar sicher, dass Blackwater-Söldner vor Strafverfolgung wegen kaltblütigen Mordes an irakischen Bürgern geschützt werden.

Aber wir überfallen, besetzen und zerstören den Irak, misshandeln und foltern dessen Bürger aufs Schlimmste und töten sie, und fordern dann als Bedingung für unsere Zustimmung zur Beendigung der lähmenden Sanktionen, dass uns hunderte Millionen Dollars überwiesen werden, um amerikanische Folteropfer zu entschädigen, obwohl das alles vor 20 Jahren geschehen ist, unter einem irakischen Regime, das es überhaupt nicht mehr gibt.

Sie hassen uns wegen unserer Freiheiten.

Erschienen am 11. September 2010 auf > http://www.salon.com > http://www.salon.com/news/opinion/glenn_greenwald/2010/09/11/exceptionalism/index.html

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Ein Gedanke zu „Keine Rechte – nirgendwo

  1. Das ist auch eine ‚Art‘ Haushaltssanierung. Toll.

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